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Seit kurzem verhandeln Vertreter von Viscom und der beiden Gewerkschaften comedia und Syna über die Konditionen eines neuen Gesamtarbeitsvertrages GAV grafische Industrie. Wie zu Beginn von GAV-Verhandlungen üblich, konfrontieren sich die Sozialpartner mit ihren Wunsch- bzw. Maximalforderungen. Die Gewerkschaften fordern den vollen Teuerungsausgleich, die Anhebung der Grund- und Minimalllöhne, die Allgemeinverbindlichkeit des neuen GAV für die ganze Branche, also nicht nur für Viscom-Betriebe, sowie die Beibehaltung der Regelungen für die berufliche Aus- und Weiterbildung im GAV. Der Arbeitgeberverband Viscom seinerseits hält nicht zurück und fordert nichts weniger als die Abschaffung der bestehenden Minimallöhne, die weitere Ausdehnung der flexiblen Arbeitszeiten (Jahresarbeitszeitmodell), eine Regelung der Berufsbildung ausserhalb des GAV, die Wiedereinführung einer Konventionalstrafe für die Sozialpartner sowie eine Reduktion der Nacht-, Sonntags- und Feiertagszuschläge.
Soweit die Ausgangslage. Vor ein paar Monaten wären die Gewerkschaften mit ihrer Forderung nach einem Ausbau des GAV in einer komfortablen Situation gewesen. Nicht ganz zu Unrecht hätte man auf die wachstumsstarken vergangenen Jahre verwiesen. Angesichts der drohenden konjunkturellen Abkühlung stehen die gewerkschaftlichen Forderungen jedoch plötzlich vor einem veränderten Hintergrund. Auf der anderen Seite scheinen die Arbeitgeber die Gunst der Stunde nutzen zu wollen, um gewachsene sozialpartnerschaftliche Errungenschaften in Frage zu stellen. Die Forderungen der Arbeitgeber gehen in eine Richtung, in der am Schluss noch die «absolute Friedenspflicht» übrig bleibt, der Rest wird in den Betrieben geregelt. Sozusagen ein «GAV ultralight».
Da drängt sich die grundsätzliche Frage auf, ob die Branche Arbeitsverhältnisse in Zukunft noch gesamtheitlich regeln soll. Die Journalisten beispielsweise leben seit der Aufkündigung des GAV durch den Verlegerverband in einem vertragslosen Zustand. Wir möchten es in der aktuellen Branchenbarometer-Abstimmung genauer von Ihnen wissen:
Abstimmungsfrage:
Braucht die grafische Industrie überhaupt noch einen GAV?
  ja, die Branche braucht auch in Zukunft einen GAV
nein, ein GAV ist überholt
Total Stimmen: 325
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